Entwicklung des Daches

Skizze: Höhle als Dach

Das Dach von der Steinzeit bis in die Antike

Die geschichtliche Entwicklung des Daches ist eng mit der Entwicklung von Häusern verknüpft. Sie reicht sogar noch weiter zurück, denn die ersten "Behausungen" waren – neben den Höhlen – Schutzdächer.

Skizze: Deckung mit Stangen und Rundhölzern

Als Höhlen den Sammlern und Jägern der Vorzeit nicht mehr ausreichten, bauten sich diese Nomaden bereits 12.000 v. Chr. zunächst pultdachähnliche Gebilde aus Stangen und Rundhölzern, die notdürftig gegen Regen und Wind schützten. Die Deckung bestand aus Gras, Heidekraut oder Fellen.

Grubenhaus mit Satteldach

Der nächste Schritt, immer noch einige Jahrtausende v. Chr., waren eingetiefte Grubenhäuser mit Sattel- oder Walmdächern, die bis auf den Grubenrand reichten.

Holzhaus mit senkrechten Wänden und Satteldach

1. Jahrtausend nach Christus

Mit dem Aufgeben der Grubenvertiefung und der Errichtung senkrechter Wände nahmen die Behausungen bereits die uns heute vertrauten Formen an. Satteldächer mit steilen Giebeln, aber auch Walmdächer und Dächer mit Halbwalmen dienten dem Schutz dieser Häuser. Die Konstruktionen und Formen der Gebäude und auch der Dächer wurden mit zunehmender handwerklicher Erfahrung weiterentwickelt. Aus den Pfostenhäusern (mit in die Erde gegrabenen Rundholzpfosten) wurden durch Anheben über die Erde Ständerhäuser. Zur Dachdeckung wurden noch weitgehend weiche Stoffe, wie Stroh, Reet, Gras und Heidekraut, verwendet.

Die wenigen erhaltenen mitteleuropäischen Häuser aus dem ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung deuten auf Sparrenkonstruktionen mit Dachneigungen von mindestens 45° hin.

Neben den schon mehrgeschossigen, technisch ausgereiften Häusern muss es auch zahlreiche einfache, eingeschossige Gebäude gegeben haben. Sie hatten wahrscheinlich Walmdächer, die bis auf die Erde gezogen wurden. Hinzu kommen viele Übergangsformen vom Grubenhaus bis zu den strohgedeckten Häusern, wie sie Albrecht Dürer auf dem Gemälde einer Dorfansicht dargestellt hat.

frühes Steinhaus mit Satteldach

Vom späten Mittelalter über die Neuzeit bis in die Moderne

Vom 13. bis 16. Jahrhundert ist eine stürmische Entwicklung der Konstruktions- und Bautechniken zu beobachten. War im 13. Jahrhundert das "steinerne Haus" noch die Ausnahme, so nahm der Anteil an Steinbauten von da an fortlaufend zu. Die wegen ihrer Konstruktion und durch das Aufrichten schwierigen Fachwerkständerbauten wurden ab der Mitte des 14. Jahrhunderts zusehends von eleganten Stockwerks-Rahmenkonstruktionen abgelöst. Schon um 1600 war die konstruktive Entwicklung des Fachwerkbaues abgeschlossen. Danach änderten sich im wesentlichen nur noch die Schmuckformen.

Wie die Gesamtgebäude wurden auch die Dachformen, die Konstruktionen und die Materialien rasant weiterentwickelt. Im 17. Jahrhundert löste das Pfettendach mit stehenden oder liegenden Stühlen die altmodischen und konstruktiv schwerfälligen Sparrendächer ab. Sonderkonstruktionen, die auch weite Raumüberspannungen zuließen, wie Hänge- und Sprengewerke, wurden parallel dazu entwickelt. Im 18. Jahrhundert wurde die Dachlandschaft um die Mansarddächer bereichert. Dabei gab es sowohl vollgewalmte Dächer als auch solche mit Krüppelwalmen oder Steilgiebeln.

Mit dem im späten 18. Jahrhundert beginnenden und das ganze 19. Jahrhundert bestimmenden Eklektizismus wurden die Grenzen festgefügter Stile, Formen und Materialien aufgehoben. Es begann die uns heute vertraute Vielfalt. Die Dachformen reichten von ganz flach geneigten bis zu romantisierenden Steildächern.
In der Gründerzeit spielte in ganz Europa das Steildach die dominierende Rolle. Mit den "modernen" Architekten, wie z.B. Frank Lloyd Wright, kamen flachgeneigte Dächer in Mode, und um 1925 schließlich gewann mit der "Neuen Sachlichkeit" auch das Flachdach an Bedeutung. Damit begann die bis heute andauernde Diskussion um Flach- oder Steildächer. Während die Vertreter des Bauhauses und ein weiterer Kreis von Architekten, von Gropius bis Elsässer, das Flachdach favorisierten, blieben auch weit vorausschauende Architekten, wie Arne Jacobsen, beim geneigten Dach.

In den fünfziger Jahren erreicht das Flachdach mit Mies van der Rohe und Le Corbusier eine vorübergehende, in Fachkreisen jedoch spürbare Aufmerksamkeit. Bald darauf wendet sich der Zeitgeschmack und auch die Praxis wieder dem vertrauten und bewährten geneigten Dach zu.

Mönch-Nonnen-Deckung

Ideen und Technik

Erfindergeist und immer bessere Produktionstechniken sorgten für die Evolution im Detail.

Biberschwanz-Typen

Stetige Weiterentwicklung

Traditionelle Dachziegel werden immer besser an die steigenden Anforderungen angepasst.

Altstadt mit historischen Ziegeldeckungen

Historische Ziegeldeckungen

Mit ihrer ganzen Vielfalt an Formen und Farben zeichnen viele Altstadt-Gebiete noch heute das Bild von der Entwicklung und den Möglichkeiten des Daches mit dem guten Ton.